Saskia Haug in unserem Video-Interview auf Youtube – Der ICE vom DSW

10/05/2026

Vom Fußballfeld in die Triathlon-Bundesliga: Saskia Haug erzählt, wie ein Rennrad-Weihnachtsgeschenk während Corona ihre Karriere veränderte. Heute zählt sie zu den schnellsten Läuferinnen der Liga, startet erstmals als Profi auf der Mitteldistanz – und bleibt trotzdem dem Bundesliga-Teamgeist treu.

Saskia Haug

Seht euch das Video in unserem Youtube-Channel an:
https://youtu.be/he5gr2h3ftc

Interview: Uwe de Mas
Kamera: Lothar Rößling

Bei mir jetzt Saskia Haug, eine Bundesliga-Triathletin vom DSW Darmstadt. Saskia, schön, dass du da bist. Deine sportliche Heimat war ja früher mal Fußball, jetzt ist es Triathlon. Wie kommt es denn dazu, wenn man Fußballerin ist, dass man dann auf einmal mit Triathlon anfängt? Das ist doch ziemlich weit weg.

Ja, das ist auch eine längere Geschichte.

Dann möchten wir die hören.

Also 2020 war ja Corona, da habe ich Fußball gespielt und dann war das ja immer so: Manchmal ging es, manchmal ging es wieder nicht, dann hatte man Spiele, dann war wieder Training und dann musste ich auch irgendwas zwischendurch machen, und gelaufen bin ich sowieso immer ein bisschen, das ist ja beim Fußball sowieso immer dabei. Und dann habe ich Weihnachten 2020 von meinem Papa ein Rennrad bekommen, weil mein Papa auch Triathlon gemacht hat und ich das schon auch immer mal wieder ausprobiert habe und das Rad von meiner Mama geliehen habe. Es war mir aber immer noch ein bisschen zu teuer, ein Rad selbst zu kaufen und ich wusste auch noch nicht, wie ich mit Fußball weitermache, und dann habe ich das Rennrad bekommen, bin den Winter ziemlich viel Rolle gefahren und dann haben im Juni die Bäder wieder aufgemacht und da dachte ich, jetzt gucke ich mal, wie das mit dem Schwimmen so läuft. Und dann habe ich im August 21 meinen ersten Triathlon gemacht und das hat mir Spaß gemacht, dann bin ich in einen Verein und dran geblieben und dann quasi durchgestartet bis in die erste Bundesliga. Das Gute war dann, dass die Karlsruher 2021 in die zweite Bundesliga aufgestiegen sind und dann dachte ich, ich schnuppere erst mal so ein bisschen BAWÜ-Liga-Luft. Dann hatten wir aber echt noch viele Ausfälle durch Corona in 2021 und dann war, glaube ich, mein dritter Triathlon zweite Bundesliga am Rothsee und wir sind direkt hochgegangen in die erste Bundesliga. Ja, ab da musste ich dann ein bisschen am Schwimmen arbeiten.

Was mich noch interessieren würde: Als du Fußball gespielt hast – ich meine, du bist ja eine unfassbar gute Läuferin, eine der schnellsten in der Bundesliga – warst du dann auch immer schon die schnellste Läuferin bei den Fußballerinnen? Also 85. Minute, warst du dann diejenige, die noch einmal quer übers Feld gerannt ist?

Also mein Spitzname war ICE. Ich habe auf der Sechs gespielt, das heißt im Mittelfeld, wo man ja sowieso viel läuft, und ich war dann die, die nach hinten gesprintet ist und die Bälle noch irgendwie rausgeholt hat.

Das war sicher eine Qualität, die dir jetzt auch beim Triathlon zugute kommt. Das müssen wir uns merken – Saskia, der ICE, das ist super. Du blickst ja auf eine super erfolgreiche Saison 2025 zurück, z. B. Top-20-Platzierung in der Bundesliga im Allgäu. Wenn du jetzt mal zurückschaust, was war das absolute Highlight für dich letztes Jahr?

Allgäu war schon echt ein cooler Wettkampf, also gerade mit der Stimmung da, dann natürlich noch die gute Platzierung. Ich bin dann ja auch noch geblieben bis Sonntag und habe noch die olympische Distanz gemacht. Das war einfach ein cooles Wochenende. Auch erfolgreich, muss man sagen. Ja, und dann Marbella, das war natürlich auch cool, aber anders. Das waren, glaube ich, die zwei Highlights.

Und jetzt 2026, was ist dein großes Ziel?

Also einmal im Allgäu wieder gut abschneiden, vielleicht ein paar Plätze weiter vorne als letztes Jahr. Und dann habe ich jetzt auch eine Profi-Lizenz, da gucke ich mal, dass ich einigermaßen mithalten kann auf der Mitteldistanz.

Also Profi auf der Mitteldistanz. Und Ironman, ist das noch nichts für dich?

Langdistanz? Nee, also ich denke mir immer so, eine Langdistanz kann ich auch noch mit 50 machen. Die kurzen Sachen werden dann schon ein bisschen schwieriger, zumindest auf dem Niveau. Ich meine, es geht natürlich immer.

Jetzt als Profi auf der Mitteldistanz, welchen Stellenwert haben da überhaupt noch die Bundesliga-Rennen für dich?

Schon noch einen hohen. Also ich finde, einfach nur alleine die Mitteldistanzen zu machen, ist auch cool, aber ich finde Bundesliga ist etwas, das kann man, glaube ich, nicht so leicht ersetzen und es macht halt einfach Spaß. Ich würde jetzt nicht nur Mitteldistanzen machen wollen, da würde mir, glaube ich, auch was fehlen. Gerade dieses Team-Ding und zusammen das Wochenende verbringen und so was, das ist schon wichtig.

Du bist ja nicht nur eine erfolgreiche Sportlerin, sondern du bist auch voll berufstätig. Wie schaffst du das überhaupt, das unter einen Hut zu bekommen?

Schon nicht so einfach manchmal. Also ich glaube gut ist, dass ich bei der Arbeit echt flexibel bin und auch mal eine Mittagspause oder so nutzen kann für ein Training und dass ich viel Homeoffice machen kann. Das hilft natürlich auch, um Zeit zu sparen und ich habe dieses Jahr auch 5 Stunden weniger die Woche. Das macht dann auch alles noch mal ein bisschen entspannter, aber am Ende gibt es halt auch Tage, die sind einfach nur Training, Arbeit, Training und dann ist da halt nicht viel Anderes.

Hast du einen Tipp für andere Leute, die auf hohem Niveau Triathlon machen und gleichzeitig noch arbeiten? Hast du irgendwas, das du den Leuten an die Hand geben könntest?

Was mir wirklich geholfen hat, ist, dass ich seit November 24 eine Trainerin habe und ich so ein bisschen die Aufgabe, das alles unter einen Hut zu bringen, an sie übergeben kann und ihr einfach sage: „Das sind die Tage, wo ich ins Büro muss, und da geht das Training“, und dann habe ich nicht das schlechte Gewissen, dass ich irgendwie denke: Oh Mann, jetzt habe ich so lange gearbeitet und habe nur ein Training an dem Tag hinbekommen. Weil ich denke, okay, sie hat es im Blick, und das entspannt mich echt, dass ich weiß, es ist auch okay, mal einen Tag vielleicht nur ein Training zu machen.

Also hast du dann quasi dein Erfolgsrezept mit der Trainerin gefunden?

Es erspart mir auf jeden Fall diesen Mental Load, noch neben der Arbeit zu überlegen: Was muss ich jetzt noch, was schaffe ich morgens noch reinzuquetschen? Es ist gut, dass ich das einfach abgeben kann.

Dann drücken wir mal die Daumen, dass dein Erfolgsrezept dich auch 2026 voll durchstarten lässt, Saskia. Vielen Dank, dass du bei uns warst.

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