Julian Birkel in unserem Video-Interview auf Youtube – Triathlon-Weltreisender auf dem Weg nach LA28
29/04/2026
Hessen, Schweiz, Südafrika: Julian Birkel verbindet Studium, Weltcup-Rennen und internationale Reisen – mit einem großen Traum vor Augen. Für Südafrika will er sich den Weg zu den Olympischen Spielen 2028 erkämpfen und gleichzeitig seinen kometenhaften sportlichen Aufstieg fortsetzen.

Seht euch das Video in unserem Youtube-Channel an:
https://youtu.be/DCrgG-F3kXw
Interview: Uwe de Mas
Kamera: Lothar Rößling
Bei mir jetzt Julian Birkel. Hallo Julian, herzlich willkommen, schön, dass du da bist. Du kommst aus Hessen, wohnst in der Schweiz, startest für Südafrika. Das ist ganz schön verwirrend, klär uns doch einfach mal auf.
Ich bin aufgewachsen in der Region Frankfurt, hatte immer mal wieder mit Darmstadt zu tun, vor allem wegen Schwimmwettkämpfen, und bin dann 2020 in die Schweiz gezogen, um dort Bauingenieurwesen zu studieren. Ich habe auch gleichzeitig meinen Sport gewechselt, bin vom Schwimmen auf den Triathlon umgestiegen und hatte dann drei Jahre später die Wahl: Starte ich für Deutschland oder starte ich für Südafrika? Natürlich ein Privileg, das schätze ich sehr. Und damit habe ich mich dann ein bisschen befasst. In Deutschland gibt es deutlich mehr finanzielle Mittel, die auch den Sport unterstützen würden, aber mit Südafrika ist es einfach so, dass ich an deutlich bessere Wettkämpfe kommen kann, weil es einfach nicht so viel Konkurrenz im Land gibt. Außerdem ist es mit Südafrika deutlich machbarer, sich für Olympia zu qualifizieren. Natürlich ist es noch schwer, es gibt viele Hürden und es ist immer noch sehr ungewiss, aber es ist ein Traum, der geträumt werden kann.
Aber warum gerade Südafrika, hast du Vorfahren aus Südafrika?
Meine Mutter ist aus Südafrika, in Durban aufgewachsen, aber meine Familie dort ist sehr verteilt in Pretoria und in Kapstadt. Von dort ist sie auch über die Welt weggezogen nach Australien und Dänemark. Ich habe überall ein bisschen südafrikanische Familie.
Und wie läuft die Zusammenarbeit mit dem südafrikanischen Verband? Rufst du einfach an und sagst: „Hey, ich bin der Julian, ich wohne eigentlich in der Schweiz und ich würde gern für Südafrika starten.“?
Es war sehr ähnlich, aber nicht per Telefon, sondern per E-Mail. In Südafrika ist es recht normal, dass viele Südafrikanerinnen und Südafrikaner das Land verlassen haben und von woanders den Sport machen oder arbeiten. Drum kannten sie das Modell schon ein bisschen, dass es Athletinnen oder Athleten gibt, die woanders wohnen, aber trotzdem für Südafrika starten. Und Stand jetzt ist es so, dass ich immer mal wieder Kontakt mit dem Verband habe. Wir haben alle drei Monate einen Zoom-Call, wo wir uns alle mal treffen und uns miteinander austauschen und die Ziele oder auch die aktuell erreichten Ziele miteinander besprechen. Sonst habe ich einfach Mailkontakt, wenn es um Wettkämpfe oder um Anfragen zu Name-Change an Wettkämpfen geht und so. Ich hätte, glaube ich, keinen besseren Verband treffen können, also ich fühle mich da richtig gut aufgehoben bei den beiden Damen, die das organisieren.
Und ganz praktisch: Wie kommt man dann an seinen Einteiler?
Den muss man bei der Marke bestellen, die sind aber eigentlich darauf spezialisiert und haben einen südafrikanischen Anzug, den man dort einfach bestellen kann. Man gibt den Namen an und dann wird er geliefert – die kommen sogar aus Frankreich.
Ja, du hast es gerade angesprochen, Olympia LA28, dein großer Traum, dein großes Ziel. Wie wäre denn für dich jetzt als Südafrikaner der Weg dorthin?
Es gibt eigentlich zwei Wege. Einmal, dass man sich direkt qualifiziert, einfach ein so gutes Weltranking hat, dass man automatisch einen Startslot bekommt für Olympia. Das ist ein sehr schwieriger Weg, weil man dann auch wirklich sehr stark besetzte Rennen bestreiten muss. Dann gibt es aber noch den anderen Weg: Für jeden Kontinent gibt es zwei Athleten oder auch Athletinnen, die sich für Olympia qualifizieren können, wenn sie sonst noch nicht qualifiziert waren. Und das ist der Weg, den ich einschlagen würde, weil man sich dann auch mit Punkten qualifizieren kann, die man nicht nur bei Weltcups oder WTCS-Rennen sammelt, sondern auch bei African Cups oder den afrikanischen Meisterschaften, und da ist das Ranking deutlich höher, weshalb ich eigentlich auf diese Karte setze.
Okay, dann geht der Qualifikationszeitraum für dich jetzt also im Sommer dieses Jahres los?
Korrekt.
Und deine Einschätzung – ich meine, im afrikanischen Triathlonmarkt kennst du dich sicher deutlich besser aus, wie realistisch ist das?
Man hat natürlich schon bessere Chancen als in Deutschland, aber ich kann mir nie 100% sicher sein, dass es funktioniert. Es gibt sehr viele gute Triathleten aus Marokko und auch aus Südafrika. Es gibt den Jamie Riddle, da ist man noch nicht sicher, ob er sich auch wieder für Olympia qualifizieren möchte. Da kann es natürlich sein, dass er auf den gleichen Weg setzt wie ich, und es darf halt nur eine Person pro Nation diesen Weg wählen – das wäre dann schon ein deutliches Erschwernis für mich, den Weg so zu beschreiten für LA.
Du warst ja die letzten zwei Jahre quasi ein Vagabund, ein Weltreisender, hast ganz viele Orte auf der Welt für Continental-Cups und Weltcups gesehen. Ist diese ganze Reiserei für dich eher ein Privileg oder eine Bürde?
Ein absolutes Privileg. Ich schätze sehr, dass ich so um die Welt reisen kann. Man trifft viele Leute, lernt viele Leute kennen, lernt auch viele Kulturen kennen. Auch viele Stereotypen über Deutschland oder über die Schweiz, die dann teilweise stimmen, teilweise auch nicht. Z. B. die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn wird im Ausland oft noch als hoch angesehen. Ich genieße es sehr, dass ich um die Welt komme. Und das Coole ist, man sieht bei jedem Wettkampf, egal ob Weltcup Rom oder Weltcup in Chile, eigentlich sehr ähnliche Leute, und das ist cool, dass man dann wieder auf die gleichen Personen trifft, dass man sich mit denen austauschen kann. Als Beispiel bin ich jetzt nach Australien gereist, am Flughafen sehe ich einen guten niederländischen Kollegen – zack, wir können uns austauschen. Das in dem Land, das fast am weitesten entfernt ist von der Schweiz, und das schätze ich sehr. Aber ich muss auch sagen: Am müdesten nach den Wettkämpfen war ich von der Reiserei. Und in der Saisonpause habe ich mich nicht unbedingt darauf gefreut, weniger zu trainieren, sondern einfach mal zu Hause zu bleiben an einem Ort, den ich kenne, wo man vor allem einfach die Umgebung, die Sicherheit, alles Mögliche einschätzen kann. Das ist unterwegs immer ein bisschen das Problem, diese Ungewissheit, die zehrt dann ziemlich an der Energie.
Du lebst ja quasi wie ein Triathlon-Weltreisender, ein Triathlon-Profi, bist aber gleichzeitig noch Vollzeitstudent in der Schweiz. Wie managest du das?
Ganz Vollzeit ist es nicht. Ich mache den Master in Bauingenieurwesen in drei Schritten in zwei Jahren. Habe also im Schnitt 20 Kreditpunkte im Semester und ich als Person würde sagen, dass ich das brauche, weil ich einfach auch meinen Kopf anwenden möchte auf so theoretische Sachen, mathematische Sachen vor allem. Und ich kann dadurch auch ein zweites Interesse von mir verfolgen, vor allem die Verkehrsplanung mit den Vertiefungen, die ich gewählt habe. Und ich glaube, mein Interesse an diesen Fächern und an dieser Vertiefung macht es auch einfacher, dass ich da gut Zeit investieren kann, und wenn man Spaß dran hat, dann macht man das ja auch gern, genau wie im Triathlon. Und ich merke, wenn ich auf Reisen bin, dass ich erstaunlich viel Zeit habe für die Uni, weil man einfach im Flugzeug oder im Zug – zumindest ich kann das – gut arbeiten kann. Und wenn man dann eh für die Wettkämpfe tapert, hat man auch noch gut Zeit. Es hat mich selbst überrascht, dass ich bei den Reisen so viel geschafft habe, aber das geht erstaunlich gut zusammen. Es geht natürlich auch nur, weil ich keine Präsenzpflicht in den Fächern habe. Ich muss einfach nur bei den Prüfungen da sein oder bei Präsentationen.
2024 war ja für dich ein kometenhafter Aufstieg aus der zweiten Bundesliga hier für uns, für den DSW, hin zu Weltcups am Ende des Jahres und der U23-Weltmeisterschaft. Konntest du das in dem Jahr irgendwie realisieren, wie schnell es dann doch für dich nach oben ging?
Nein, gar nicht, würde ich sagen. Also Weltcup war für mich vorher ein Begriff, der stand immer in den Sternen. Man kennt das natürlich vom Skifahren, da gibt es den Weltcup und das ist für mich immer ein Wettkampf, der so stark ist. Aber ich glaube, ich habe selbst immer noch nicht ganz begriffen, dass ich im Triathlon jetzt auch auf dem Level bin. Das war schon ein großer Sprung, aber ich habe auch viel investiert. Und dadurch, dass ich eigentlich nur den Prozess sehe über lange Zeit, habe ich keinen großen Sprung an sich gemerkt, weil ich im Training einfach gefühlt konstant unterwegs bin, weil man einfach nur einen zeitlich sehr nahen Vergleich hat. Aber man muss sich manchmal schon einfach noch mal die Zeit nehmen und schauen: Wie war das vor zwei Jahren, als ich irgendwelche Swiss-Triathlonwettkämpfe gestartet bin und da als 30. beendet habe, versus dann zweite Bundesliga, was auch schon ein Level weiter höher war, und erste Bundesliga-Weltcups als 21. Das fehlt mir manchmal, dass ich das dann noch mal Revue passieren lasse.
Ja, Julian, dann wünschen wir dir, dass dein Aufstieg weiterhin so kometenhaft verläuft. Wünschen dir eine super Saison 2026 und hoffen natürlich, dass dein Weg auch bis zu Olympia 2028 führt. Vielen Dank, dass du da warst.
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