Henry Graf in unserem Video-Interview auf Youtube – Voller Fokus auf WTCS und LA28

06/03/2026

Was für ein Jahr für unseren Henry! Mit seinem ersten WTCS-Sieg in Karlsbad hat Henry Graf endgültig den Sprung in die absolute Weltspitze geschafft. Doch noch beeindruckender als der Erfolg selbst ist seine Haltung: ruhig, fokussiert und immer auf Weiterentwicklung bedacht. Für 2026 greift er erneut in der WTCS-Serie an, sammelt wichtige Punkte für die Olympia-Quali und hat LA28 klar im Blick. Ob Einzelrennen oder Staffel – Henry übernimmt Verantwortung und bleibt dabei ganz der bodenständige Teamplayer unseres DSW12.

Henry Graf Youtube Interview

Seht euch das Video in unserem Youtube-Channel an:
https://youtu.be/G1nc3DfHNII

Interview: Uwe de Mas
Kamera: Lothar Rößling

Bei uns ist Henry Graf vom DSW Darmstadt. Willkommen Henry, schön, dass du da bist. 2025 war ja eine super erfolgreiche Saison für dich. Was war für dich das absolute Highlight letztes Jahr?

Oh, ich finde es tatsächlich gar nicht so leicht zu sagen, aber im Endeffekt war das absolute Highlight dann schon der Sieg in Karlsbad beim WTCS, weil es einfach sportlich den höchsten Wert hatte und dadurch einfach ganz oben einzuordnen ist, denke ich.

Ja, letztes Jahr war ja dein Durchbruch in die absolute Weltspitze. Hast du irgendwas anders gemacht?

Na, so wirklich eigentlich nicht. Also ich denke, dass es einfach die Konstanz über die letzten zwei Jahre war, die sich da vor allem ausgezahlt hat und auch einfach die Erfahrung in den Rennen immer mehr. So mega viel anders gemacht habe ich eigentlich ehrlich gesagt nicht, deswegen kam es jetzt auch für mich nicht unbedingt so erwartet, aber dafür ist ja dann umso schöner.

Und ja, nach dem Rennen in Karlsbad, deinem ersten Sieg auf der WTCS-Ebene, hattest du da das Gefühl, dass du von den Konkurrenten irgendwie anders gesehen wirst, dass du ein anderes Standing im Feld hast?

Ja, ich denke schon. Also es hat sich übers Jahr schon so entwickelt, dass gerade auf dem Rad die Leute schon immer mehr auf mich geschaut haben, aber spätestens nach Karlsbad hat sich das, denke ich, schon mal bisschen geändert, auch Richtung Saisonfinale, dass dann auch die Jungs, die noch vor mir waren im Gesamtranking, ein bisschen mehr Schiss hatten. Und man hat schon mal gehört, dass die Kollegen, mit denen ich z.B. in Australien noch trainiert habe, dann befragt wurden nach ein paar Insider Infos. Also ich denke, ich bin da schon mehr auf den Schirm gekommen. Ist natürlich auch logisch irgendwie, aber ja, für mich natürlich auch eine coole Bestätigung.

Ja, du hast ja gerade angesprochen, die Situation in Karlsbad auf dem Rad. Generell ist das Thema Breakaway – kleine Gruppe, die wegkommt – ja deutlich präsenter geworden auch in der WTCS. Wie würdest du aktuell die Dynamik in den WTCS-Rennen beschreiben?

In der letzten Saison war es auf jeden Fall immer so, dass wir meistens ganz gute Chancen hatten mit dem Breakaway wegzukommen und wir auch einige hatten, die da gut zusammengearbeitet haben. Dieses Jahr geht der Olympia-Quali-Zeitraum los, Hayden Wilde, Alex Yee kommen wahrscheinlich Vollzeit zurück oder zumindest mit mehr Fokus. Dazu gibts viele andere aufstrebende Athleten. Ich glaube, es wird auf jeden Fall nicht einfacher und jedes Jahr, jede Saison muss man wieder neu schauen, wie die Dynamiken sind. Aber ich denke, dass wir gute Chancen haben, wieder mit kleineren Gruppen durchzukommen. Aber gleichzeitig ist halt die Situation im Moment auch in den kleineren Gruppen, dass du zwei, drei absolute Weltklasseleute und die schnellsten Läufer auch dabei hast, mit denen will man nicht unbedingt auf die Laufstrecke gehen. Wenn ich die Rennen ganz vorne beenden will, muss ich immer schon vielleicht an der einen oder anderen Stelle noch mal schauen, wo man das Rennen noch mal weiter aufmachen kann und sich dann vielleicht auch von diesen superschnellen Läufern noch mal absetzen kann, aber das ist natürlich gerade bei flacheren Kursen nicht so einfach. Da muss man denke ich taktisch klug schauen und mit seinen Ressourcen haushalten. Aber das ist für mich auf jeden Fall der Fahrplan.

Du hast gerade den olympischen Qualifikationszeitraum angesprochen, der jetzt wieder anfängt. Außerdem wurde die WTCS-Serie dieses Jahr von 8 Rennen auf 11 Rennen erweitert. Was bedeutet das für dich, gerade was deine Saisonplanung angeht?

Also ich werde auf jeden Fall die WTCS-Saison voll mitnehmen. Der Qualizeitraum geht dann aber tatsächlich erst nach dem dritten Rennen nach Yokohama los. Deswegen werde ich mir das wahrscheinlich sparen und dann aber alles mitnehmen, was geht. Leider fallen ja WTCS London und die DM Hannover aufs gleiche Wochenende. Da weiß ich jetzt noch nicht genau, wie die Situation aussieht. Aber ansonsten werde ich alles mitnehmen, was geht und möglichst viele Punkte sammeln fürs Ranking. Aber im Endeffekt will ich mich eigentlich nicht immer nur so krass auf die Punkte konzentrieren, sondern eher auf den Prozess, auf die Rennen, den Sport an sich. Man muss es natürlich im Hinterkopf behalten, aber ich denke, wenn ich dann einfach mein Ding weitermache, dann sollte das mit den Punkten sowieso halbwegs passen. Ist jedenfalls meine Hoffnung.

Also ist LA28 dann auch das große Ziel für dich?

Ja, es muss das große Ziel sein! Alles andere wäre Quatsch. Deshalb ist das schon ganz klar auf dem Fahrplan.

Ist ja jetzt noch über zwei Jahre hin. Setzt du dir da irgendwelche Zwischenziele oder wie hältst du die Motivation für die nächsten zweieinhalb Jahre hoch?

Ich habe natürlich schon Zwischenziele. Ich setze mir nicht so gerne Ergebnisziele, weil du da natürlich auch immer abhängig von allen anderen bist. Ich versuche eher, mich vom Prozess her weiter zu entwickeln. Und z.B. würde ich dieses Jahr gerne im Triathlon mal unter 30 Minuten laufen den Zehner, solche Sachen, und halt einfach das Gefühl haben, ich mache noch Schritte nach vorne. Am Ende dieses Jahres war ich ja schon vierter in der WM-Wertung und natürlich würde ich gerne aufs Podium, aber wenn ich dieses Jahr nicht aufs Podium komme, dann heißt das noch lange nicht, dass es eine schlechte Saison war, da will ich mich jetzt nicht so krass drauf versteifen, dass ich mich jetzt unbedingt direkt noch mal steigern muss. Aber ja, ich schaue eher, dass ich mich einfach weiter entwickle und dabei bleibe.

Und 2028 mehr Fokus aufs Einzelrennen oder auf die Staffel?

Ich denke, das hat beides einen sehr hohen Fokus. Im Endeffekt sind wir natürlich Einzelsportler und man will sich mal in Einzelrennen zeigen, aber ich weiß, dass wir mit der Staffel immer eine gute Mannschaft haben werden die nächsten Jahre und da stehen die Chancen auf jeden Fall gut. Und es kann natürlich sein, dass ich da auch große Verantwortung habe. Es könnte auch jemand anders übernehmen, aber möglich ist es. Deswegen wird das bestimmt eine besondere Situation, wenn es dazu kommen würde, und da freue ich mich schon sehr drauf.

Ja, du hast es angesprochen, Schlussläufer ist natürlich auch mit Druck verbunden. Generell bist du ja gerade im männlichen Bereich die große deutsche Triathlon-Hoffnung. Spürst du da auch so ein bisschen Druck auf deinen Schultern, dass quasi die Hoffnung der Triathlon-Nation auf dir liegt?

Ja gut, es gibt ja schon ein paar andere, die was können, und ich denke mal, dass Tim Hellwig dieses Jahr wieder stärker zurückkommen wird, also hoffe ich zumindest. Ansonsten merkt man natürlich schon, dass die Erwartungen ein bisschen steigen, ich habe letztes Jahr auch in Hamburg schon gemerkt, dass die Augen dann natürlich schon mehr auf einen gerichtet sind. Und dieses Jahr wird es bestimmt noch mal ein bisschen mehr, aber ich versuche schon immer, mich eher davon frei zu machen und mich hauptsächlich auf mich zu konzentrieren und nicht unbedingt auf das, was andere erwarten, aber ganz einfach ist das nie und ich denke so komplett schafft man das wahrscheinlich auch nicht. Da muss man, denke ich, immer versuchen, einfach locker und entspannt zu bleiben.

Henry, du bist ein lockerer Typ. Wir wünschen dir alles Gute für deine Saison 2026. Vielen Dank, dass du bei uns warst.

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