Rad-Cross-DM mit DSW12-Beteiligung in Bensheim
12/01/2026
Krass, krasser – Rad-Cross! Am 10. und 11.1. fand die Radcross-DM in Bensheim statt. Nachdem der milde Dezember ja den Spaß am Outdoorsport nicht minderte, haben die Wettervorhersagen bereits im Vorfeld Einiges befürchten lassen: Schon die 1. Streckenbesichtigung am Freitagabend hat dann auch wettermäßig alles gegeben: Waagerechter Regen und heraufziehende Kälte … was am Samstag nur noch schlimmer wurde.
Die geniale Strecke, die dank einem grandiosen Organisationsteam als wirklich herausragend gelten durfte, hatte sich in eine einzige Schlammlandschaft verwandelt. Wadentief durfte da so mancher Athlet im wahrsten Sinn „eintauchen“. Insofern hatte der Pionier des deutschen Crosssports Rolf Wolfshohl Unrecht, immerhin 3-maliger Weltmeister. Er hatte im Vorfeld nämlich benannt, dass es nicht mehr so viele Matschrennen gäbe. Voila: Hier war es nun.
Die Strecke war 2,6 km lang mit gesamt 60 Höhenmetern – gespickt mit einer 50 m Sandstrecke, Asphalt, Schotter, Rasen, eine zwölfstufige Treppe, mehreren Seitenhängen, zwei 35-Grad-Brücken und vielen Kurven, Hügeln und 2 Hindernissen. Gefahren wird beim Cross dabei nicht nach Runden, sondern nach Zeit! Wer nach X Minuten zuerst im Ziel ist hat gewonnen … bei der U17 war die Renndauer 30 Minuten. Dabei immer 100% Aufmerksamkeit auf die Strecke. Niemals auch nur eine kurze Unkonzentriertheit – was fast immer mit einem Sturz bestraft wird. Radcross ist eben „anders“.
Die Streckenbesichtigung war also bereits anspruchsvoll. Dabei dann noch die Ideallinie herauszufinden ein müßiges Unterfangen. Die meisten Versuche, Steigungen oder Abfahrten fahrend zu meistern zum Scheitern verurteilt. Nicht nur 1 Teilnehmer auch der Masters äußerte: „Nicht fahrbar. Ich lauf durch!“ Dennoch gaben sich die Betreuer insbesondere der beiden für den RSV Seeheim startenden U17 Fahrerinnen Folkemina Sauer und Josefine Leonhardt, die beide ja eigentlich eingefleischte DSW12-Triathletinnen sind, alle Mühe, den Respekt für die Strecke zu nehmen und irgendwie die Ideallinie zu beschreiben.
Am Sonntagmorgen beim Einfahren um 8 Uhr dann „alles Schnee von gestern“: Saukalte –9 Grad, pures Eis, wo gestern noch Wasserlachen waren, unpassierbare Spurrillen, wo gestern noch Schlamm war. Schon da legte sich so manche der jugendlichen Athletinnen übel auf die Nase. Selbst das Rad zu schultern erschien keine Option, weil auch per pedes kein sicheres Vorankommen garantiert war.
Blieben die Hamburger Mädchen aufgrund der im Norden schwierigen Witterungsverhältnisse gleich ganz zu Hause, entschieden sich noch am Morgen Einige dann eben doch nicht zu starten. Nicht so Folkemina und Josefine. Mit „safety first“ –Kein Auge auf die Platzierung, sondern den Blick nur aufs sichere Ankommen gerichtet – entschieden die beiden an den Start zu gehen. Bereits mit Punkten aus dem Gesamtklassement versehen wurde Beiden die Ehre zuteil, persönlich aufgerufen zu werden. Ging also schon mal gut los.
Erschütternd für die Eltern: Mit dem Startsignal waren alle guten Vorsätze vergessen. Nur noch ballern war angesagt. So sehr, dass Josefine erstmal aus den Klicks flog. In der ersten Kurve somit auf dem letzten Platz, hatte sie sich auf der 2. langen (Eis-)geraden schon wieder ins Mittelfeld vorgekämpft. Direkt hinter Folkemina wurden bei den ersten Anstiegen dann gemeinsam weiter Plätze gut gemacht. Großes Pech für Folki, aber eben leider Teil des Sports: Sie geriet in eine vereiste Spurrille und stürzte schmerzhaft, konnte sich aber bereits i.d. weiteren Runde wieder nach vorne kämpfen. Josefine hatte alle Sorgen über Bord geworfen und attackierte fortwährend. Selbst die Treppe wurde zum Überholen genutzt. Rad abschultern, Radaufsprung mit fast zeitgleichem Einklicken – wieder 1 Platz gut gemacht. Aber auch Folkemina ließ sich nicht lumpen. Als Führende im Elektroland-Cup (Crosscup in Südhessen) ließ sie nichts anbrennen und arbeitete sich ebenso nach vorne. Dabei für beide dennoch immer wieder Ausrutscher und kleinere Stürze.
Saustark die beiden, die ja bereits in der Straßenradsaison u.a. mit dem 6. Platz bei der DM im 2er Mannschaftszeitfahren ihre Klasse zeigten! Josefine wurde bei den letzten beiden Hindernissen von ihrer Verfolgerin eingeholt, was sie aber nicht auf sich sitzen ließ. Einen die Zuschauer begeisternden Schlussprint konnte sie mit 1 Radlänge für sich entscheiden. 8. Rang für Josefine Leonhardt und nach dem Sturz nicht für möglich gehalten der 10. Platz für Folkemina Sauer! Beide Top Ten in Deutschland. Megastarke Leistung der beiden Jugendathletinnen.
Phänomenal und für die beiden wirklich rührend: Einige DSW-ClubkollegInnen und natürlich auch vom RSV Seeheim, angefangen bei den Schülern C bis zu den Senioren und Masters, fanden trotz klirrender Kälte den Weg nach Bensheim, um sie anzufeuern. Was kann es Schöneres für die Jugend geben? Das zeigt die gesellschaftliche Relevanz von Sport. Sport verbindet.
Fairerweise muss erwähnt werden: Der Sieg der Herzen ging an Josefine Wendel aus Unna: Als eine der besten ihres Jahrgangs und regelmäßig auf Podiumsplätzen zu finden, riss ihr im 1. Halbrund das Schaltwerk ab. Wer nun aber wie der Hessische Rundfunk meint, Frauen bzw. Mädchensport wäre nicht ernst zu nehmen (der HR übertrug nur das Elite-Herrenrennen im TV, die Elite-Frauen waren nur im Livestream zu sehen), der kennt die Mädchen nicht: Josefine schulterte das defekte Rad und trug es über gute 1,5 km bis zum Pitstop, um dort das Rad zu wechseln. Und dann nur noch Vollgas! Sie kam noch als 5. ins Ziel, mit nicht bekannten aber sicher herausragenden Wattwerten.
Als (Ex-) DSW-Athletinnen später dann im Elite-Rennen der Frauen ebenso grandios: Diana Steffenhagen – nur wenige Sekunden hinter der Vorausfahrenden – zeigte eine saustarke Leistung und kam als 6. ins Ziel. Hannah Frickenhelm als 9.
Bericht: Felix Leonhardt
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