Neu auf Youtube: Teamleiter aus Leidenschaft – Uwe de Mas im Interview
23/09/2025
Unser Bundesliga-Teamleiter Uwe de Mas gibt spannende Einblicke: Was bedeutet seine Rolle eigentlich? Was macht unsere DSW12-Teams so einzigartig – und wer passt hinein? Im Austausch mit unserem sportlichen Leiter Johannes Hiebl spricht Uwe über Zukunftspläne, große Herausforderungen und einen sehr emotionalen Moment bei den Finals in Dresden.

Hallo lieber Uwe. Du bist ja Teamleiter unseres Bundesligateams beim DSW12 Darmstadt. Und was soll man sagen, die letzten beiden Jahre waren für unsere Mannschaft überaus erfolgreich: Vizemeister der Triathlon-Bundesliga und Vizemeister in der Mixed Staffel im letzten Jahr. Dieses Jahr Deutscher Meister in der Mixed Staffel und dann noch die Einzeltitel für Henry Graf und Lisa Tertsch. Also der DSW schwimmt ja auf einer Welle des Erfolgs. Erzähl uns doch mal, wie sieht der Job als Teamleiter eines so erfolgreichen Bundesligateams aus? Sowohl während der Rennen als auch außerhalb der Rennen, während der Saison und auch in der Saisonpause.
Der Job als Teamleiter ist extrem vielfältig und wird ganz sicher nicht in jedem Team, jedem Verein gleich gelebt. Was das Aufgabenspektrum angeht, um es mal auf den Punkt runterzubrechen: Die Hauptaufgabe des Teamleiters ist, die bestmöglichen Athleten bei jedem Rennen an die Startlinie zu bringen. Das ist erstmal runtergebrochen der Job des Teamleiters.
Da gehört ganz viel dazu. Während des Winters erst mal die Kaderzusammenstellung. Also schauen – hey, Scouting – brauche ich Leute, wen hole ich ran, wer passt in unser Team? Dann während der Saison die ganzen logistischen Fragen. Wie kommen meine Athleten logistisch überhaupt zu einem Rennen? Wer fährt mit uns im DSW-Bus von Darmstadt aus, wer reist privat an, wer nimmt den Zug und so weiter.
Dann am Wettkampfwochenende geht es im Endeffekt darum, den Athleten möglichst viel Arbeit abzunehmen, damit sie sich möglichst gut auf ihr Rennen konzentrieren können. Man geht zur Teamleitersitzung, holt sich da die wichtigen Informationen, macht eine Taktikbesprechung. Versucht auch so ein bisschen die Stimmung im Team hochzuhalten und die Athleten fürs Rennen heiß zu machen. Ihnen ein bisschen Taktik mitzugeben. Last but not least natürlich auch mit den Athleten danach ein bisschen feiern zu gehen, das gehört auch dazu.
Was dann noch on top kommt, sind ganz viele Aufgaben, die ich persönlich gerne mehr outsourcen würde. Habe es aber noch nicht geschafft bei uns beim DSW, weil es auch ein bisschen an Personal mangelt. Da geht es darum, Hotels zu buchen für die Bundesliga. Da geht es darum, den Social-Media-Auftritt zu managen und auch das ganze Thema Material für die Bundesliga zu managen. Also ich würde jetzt mal grob sagen, der Zeugwartjob. Also dafür zu sorgen, dass unsere Athleten mit einem Einteiler, mit einem Neo und mit Klamotten in ihrer Größe ausgestattet sind. Und wenn was kaputt geht, das auch entsprechend zu ersetzen.
Das sind so ganz grob gesprochen die Aufgaben, die ich persönlich bei mir als Teamleiter sehe. Bei uns beim DSW wird das natürlich dann immer größer, weil es insgesamt fünf Ligen sind, die ich betreue. Also bei den Herren von der 1. Bundesliga bis zur Regionalliga. Bei den Damen 1. Bundesliga und 2. Bundesliga. Das sind dann schon gut und gerne mal 45 Athlet:innen, die das insgesamt betrifft. Also es ist ein Allroundjob, sozusagen der Teamleiter beim DSW als die eierlegende Wollmilchsau.
Erzähl doch noch einmal ein bisschen mehr über den Athletenkontakt. Also wie pflegst du den Kontakt zu den Athletinnen und Athleten während der Saison und in der Saisonpause? Du hast gesagt, es ist auch essentiell zu schauen, wenn es um Neuverpflichtungen geht, wer passt in unser Team? Wie findest du das raus und welche Gespräche führst du da?
Also grundsätzlich ist es für mich ganz wichtig, dass wir als Team funktionieren und dass sich jeder Athlet, der für den DSW12 Darmstadt startet, auch mit diesem Verein identifiziert. Das ist für mich die absolute Grundvoraussetzung.
Das versuche ich sicherzustellen, indem wir einfach eine gute Teamatmosphäre bei den Rennen kreieren und da als Team gut zusammenarbeiten und einfach eine gute Zeit zusammen haben. Zum anderen gehören da auch gewisse Charaktere dazu. Und wenn ich mit potenziellen Neuzugängen rede, und ich kann dir sagen, auf dem Weg hierher habe ich im Auto gerade mit zwei potenziellen weiblichen Neuzugängen für unsere Damenmannschaft telefoniert, versuche ich schon immer so ein bisschen rauszuhören, was ist der Gedanke des Athleten, der Athletin dahinter, warum sie nach Darmstadt möchte. Passt das bei uns in das Bild, das wir vom Athleten sehen würden? Passt das generell bei uns in das jeweilige Mannschaftsgefüge rein?
Und dann, ich habe es vorhin angesprochen, es sind 45 Athletinnen und Athleten. Man kann nicht zu allen immer den gleichen Kontakt haben. Und das tut mir auch in der Seele leid. Aber ich versuche trotzdem, gerade in der Winterpause, mit unseren externen Athleten regelmäßig in Kontakt zu sein, anzurufen, zu fragen, hey, wie geht es dir? Und auch während der Saison eigentlich immer ungefähr zu wissen, ist ein Athlet verletzt, ist ein Athlet krank, ist er gerade im Trainingslager? Und was sind so die nächsten wichtigen Rennen für den jeweiligen Athleten oder die jeweilige Athletin?
Jetzt hast du das Stichwort Bild genannt. Also sowohl das Bild vom Athleten, von der Athletin, als auch in Bezug auf die Mannschaft. Was für ein Bild ist das? Wie können wir uns das vorstellen?
Also was wir auf jeden Fall in Darmstadt nicht haben, ist ein gewisses Legionärstum. Also wir wollen auf jeden Fall Athleten haben, die sagen, hey, ich starte gern für den DSW Darmstadt, weil das mein Verein ist, für den ich in gewisser Weise brenne, weil ich mit den Leuten coole Wochenenden bei den Bundesliga-Rennen habe und mit denen dann auch gerne zusammen Erfolge feiere. Und das ist für mich das absolute Leitbild, dass jemand nicht zum DSW Darmstadt geht, weil ich unbedingt, egal für welchen Verein, Bundesliga starten will oder weil ich möglichst viel Geld verdienen will. Das gibt es beim DSW auch nicht, dieses Geld. Und das ist für mich das absolute Leitbild dahinter, wie ein Athlet zum DSW Darmstadt passt.
Ja, ich habe selbst das Vergnügen, ab und an mit der Bundesliga unterwegs sein zu dürfen und euch da begleiten zu dürfen und kann auch aus meiner eigenen Erfahrung heraus sagen, dass der Teamspirit tatsächlich sehr hoch bei uns steht zwischen den Athletinnen und Athleten und eben auch in allen Mannschaften.
Ja, und das ist für mich auch die oberste Aufgabe als Teamleiter, dafür zu sorgen, dass die Leute ein cooles Wochenende mit uns haben, weil im Endeffekt, reich wird niemand durch die Triathlon-Bundesliga, gerade wenn wir von unseren Top-Athleten sprechen, da müsste keiner für den DSW starten. Die würden alle bei anderen Teams mehr Geld verdienen. Aber dadurch, dass sie wissen, hey, wir haben eine coole Gemeinschaft, wir haben ein super Wochenende mit den Darmstädtern zusammen, bleiben sie trotzdem beim DSW und haben die gute Zeit mit uns. Das ist für mich die absolut wichtigste Aufgabe als Teamleiter.
Das schneiden wir besser raus, falls die Konkurrenz das hört.
Das weiß die Konkurrenz aber auch. Das wissen sie eh alle, absolut.
Ja, du bist gerade mit so einem Feuer dabei, erzähl doch mal, Uwe, gibt es einen Moment oder ein Rennen als Teamleiter, an das du dich ganz besonders erinnerst, das dich ganz besonders mit Stolz und Freude erfüllt hat? Kannst du uns diesen Moment einmal beschreiben?
Ich würde gerne zwei Sachen nennen. Zum einen, wir hatten wirklich eine sehr, sehr schwere Zeit mit unserer Bundesliga-Mannschaft der Damen in den letzten zwei Jahren. Es gab durchaus Stimmen, auch hier bei uns im Verein, die gesagt haben, hey, die kosten nur Geld, die bringen keine Leistung, warum machen wir das noch mit der Bundesliga-Mannschaft der Damen? Und ich habe an die Mannschaft geglaubt. Wir haben die Mannschaft über den Winter neu aufgestellt mit Neuverpflichtungen. Und wir haben in der Saison gesehen, hey, mit ganz viel Teamspirit und Spaß haben sie sich zurück in die Top Ten gekämpft und hatten wirklich eine gute Zeit und haben sich in der Bundesliga behauptet und den DSW da super gut repräsentiert. Und das hat mich mit ganz viel Freude erfüllt und macht mich auch extrem stolz.
Zum Zweiten, man kommt nicht daran vorbei, der Titel mit der Mixed Staffel in Dresden war natürlich ein absoluter Gänsehaut-Moment. Auch für mich als Teamleiter. Ich meine, als Teamleiter hast du relativ wenig Einfluss auf die sportliche Leistung der Athleten. Und im Endeffekt, wenn du einen Henry Graf hast, dann ist es nicht dein Verdienst als Teamleiter, dass der das toll macht, sondern weil der Henry Graf ein ganz toller Athlet ist.
Aber was du als Teamleiter machen kannst ist, du kannst und musst erstmal dafür sorgen, dass deine Top-Athleten Bock auf so eine Mixed Staffel haben und nicht wie bei manchen anderen Teams sagen, ich konzentriere mich nur auf das Einzelrennen. Das ist das eine. Und dann hast du ja auch Einfluss auf die Aufstellung, also wer 1, 2, 3 und 4 startet. Und da durfte ich mich dann auch so ein bisschen gegen den Willen meiner Sportlerinnen vor allen Dingen durchsetzen in Dresden und habe damit glaube ich Recht behalten.
Und ich stand ganz weit weg von der Ziellinie in Dresden, als Henry als Sieger für den DSW12 ins Stadion eingelaufen ist und gejubelt hat. Auf dieser Brücke habe ich es auf meinem Handy auf dem kleinen Bildschirm verfolgt. Da standen ganz wenig Zuschauer, aber ich wollte Henry an dem einsamsten Punkt nochmal anfeuern. Und als ich da so alleine stand und gesehen habe, wir werden gerade Deutscher Meister, da hatte ich dann doch die eine oder andere Träne im Auge.
Ja, sehr schön. Kommen wir von diesem bewegenden Moment vielleicht doch wieder ein bisschen auf den harten Boden der Realität, den du ja zum Teil schon angesprochen hast – schwere Jahre in der Damenmannschaft und natürlich auch die ganzen Fragen von dem wenigen Personal, und dass eben eine Mannschaft, ein Team, wie eben beim DSW12 mit beschränkten Mitteln, das stemmen muss. Was würdest du beschreiben, ist so die größte Herausforderung, die es als Team oder als Teamleiter zu managen gilt und mit der du es am häufigsten immer wieder zu tun hast?
Wie du ja gerade gesagt hast, Teamleiter ist irgendwie die Eier legende Wollmilchsau. Also es sind ganz viele Herausforderungen, mit denen man als Teamleiter jeden Tag zu tun hat. Von den logistischen Herausforderungen, die ich schon genannt habe, personelle Herausforderungen im Team. Jemand wird krank, jemand ist verletzt und man muss andere Leute an die Startlinie schaffen.
Aber das sind für mich Herausforderungen, die kann ich selbst lösen. Was für mich die größte Herausforderung ist, ist tatsächlich das Thema Finanzen und auch so ein bisschen das Thema Innenpolitik in den Verein hinein. Weil, ich meine, eine Bundesliga-Mannschaft ist toll, aber die kostet natürlich auch Geld. Und nicht jeder ist innerhalb des Vereins happy damit, dass wir eine Bundesliga-Mannschaft in dem Rahmen betreiben. Und diese Diskussionen intern und auch immer wieder dieses Werben für die Bundesliga-Mannschaft, das kostet mich unfassbar viele Nerven und unfassbar viel Kraft. Und das ist aus meiner Sicht die größte Herausforderung als Teamleiter.
Ja, da muss man mitunter dicke Bretter bohren.
Ja, und es hat halt auch nicht jeder dieses Feuer wie ich dafür. Wenn du selbst dieses Feuer hast und dafür brennst und dann auf Leute triffst, die dieses Feuer nicht in sich spüren, dann trifft das ja bei mir in gewisser Weise auf Unverständnis. Und das ist das, was ich immer wieder in meinem Kopf auch klarkriegen muss: Hey, es feiert nicht jeder so die Bundesliga-Mannschaft – weil er nicht dabei ist und weil er nicht sieht, wie toll unsere Athleten vor Ort den Verein vertreten. Und ich glaube, genau dieses Feuer ist es, was es in den Verein zu transportieren gilt, die Bundesliga auch als ein attraktives Format bekannter zu machen, das eben in der Triathlon-Welt ja auch bei Weitem nicht alle kennen. Viele fangen mit Triathlon an, weil sie was von Hawaii und Ironman gehört haben. Da spricht niemand über eine erste Triathlon-Bundesliga und kann auch gar nicht sehen, was für spitzen Talente, die später vielleicht auch einmal eine Ironman-Weltmeisterschaft gewinnen können, dort unterwegs sind und auf der Kurzdistanz alles rausfeuern, was im Tank ist.
Lass uns doch da direkt dran anknüpfen. Meine nächste Frage an dich wäre, wie, glaubst du, sieht die Zukunft der Triathlon-Bundesliga oder die Zukunft des Triathlonsports allgemein in Deutschland aus? Mit was für einer Entwicklung rechnest du da in den nächsten Jahren?
Also ganz grundsätzlich hat die DTU mit der Bundesliga ein tolles Format. Und das Format hat sich in den letzten Jahren extrem gut weiterentwickelt. Sei das mit TV-Übertragungen, sei das mit den Athlet:innen, die am Start sind, sei das mit dem ganzen Social-Media-Auftritt, der dahinter steht. Also ich glaube, das Format Bundesliga ist grundsätzlich ein gutes und richtiges.
Und wenn man schaut, wer aktuell für Deutschland im Ironman-Bereich, im 70.3-Bereich oder auch auf der Kurzdistanz die Erfolge holt, dann sind das alles Athleten, die irgendwann mal durch die Bundesliga gegangen sind. Und die DTU hat das auch in gewisser Weise verstanden. Und die Herausforderung, die sich für den Verband, genauso wie für uns auch als Verein stellt, ist, den Mehrwert der Bundesliga an die Öffentlichkeit und auch an Sponsoren zu tragen. Weil, es ist ja kein Geheimnis, Bitburger ist ausgestiegen als Hauptsponsor der Bundesliga und den fehlenden Betrag muss aktuell der Verband selbst schultern. Das ist im Endeffekt das Ungleichgewicht der Finanzen, das auf Vereinsebene, aber auch auf Verbandsebene der Bundesliga ist. Und das ist die große Herausforderung, die es da zu lösen gilt im Kontext der Bundesliga. Ich weiß nicht, wie das gelingen muss. Da gibt es Marketing-Experten, die für den Verband arbeiten, die da sicher deutlich mehr Ahnung haben. Aber das Produkt ist ein extrem gutes. Und jetzt geht es darum, dieses Produkt an den Kunden zu bringen.
Du hast es schon angesprochen: Die Frage von Nachwuchsförderung, Nachwuchsarbeit, die ja beim DSW12 auch einen hohen Stellenwert hat. Wie würdest du da die Zusammenhänge beschreiben zwischen der Nachwuchsarbeit bei uns und eben den Bundesligamannschaften?
Das Thema Nachwuchsarbeit ist natürlich ein extrem großes Feld. Lass es mich mal beantworten im Kontext meiner Aufgabe als Teamleiter. Meine Aufgabe als Teamleiter ist es, Athleten irgendwie in Richtung Bundesliga zu entwickeln. Oder zumindest in unserem Ligasystem, das wir anbieten können, zu der maximal höchsten Liga, wo sie in der Lage sind, einen Mehrwert für den Verein zu bringen. Wir als DSW haben mit dem Ligen-Setup – auch schon in der Hessenliga angefangen – ein mehr oder weniger einmaliges Angebot in der Region, aber eigentlich auch in Deutschland.
Wenn ich mir Athleten angucke, wie zum Beispiel Tim Mignon: der ist zu uns gekommen, war ein durchschnittlicher Triathlet. Wir haben gesagt, hey, lass uns dich mal testen. Er durfte sich letztes Jahr in der Regionalliga austesten. Haben wir für gut befunden. Dann durfte er sich in der 2. Bundesliga austesten. Da hat er direkt mit Top-Ten-Plätzen überzeugt. Jetzt haben wir ihn über einen Sieg – einen Einzelsieg in der 2. Bundesliga – dieses Jahr in Freiling, zu einem Erstliga-Athleten entwickelt, der sich um den 50. Platz in seinem ersten Rennen der 1. Liga platziert hat. Das ist für mich im Endeffekt die Nachwuchspyramide innerhalb der Liga.
Zweiter Aspekt ist natürlich Nachwuchsgewinnung für die Mannschaft selbst – außerhalb von den Leuten, die eh zu uns kommen, sei es aus dem eigenen Nachwuchs, seien es Leute, die zum Studium nach Darmstadt gehen. Da geht es natürlich darum, dass wir Talente für den DSW gewinnen und auch dafür werben können, dass wir durch diese Liga-Mannschaften und durch das Angebot, das wir haben, ein gutes Angebot machen können. Wir hatten mal früher den Leitspruch, die besten Hessen müssen immer für den DSW starten.
Jetzt hatten wir die letzten 10 Jahre eine komfortable Situation, wir waren die Nummer 1 in Hessen. Das Team aus Griesheim, lange Lokalrivale, bei denen ging es bergab, also sind die besten Hessen sowieso zu uns zum DSW gekommen. Da haben wir uns ein bisschen darauf ausgeruht, auf dem Status, den wir uns erarbeitet hatten und haben aus meiner Sicht ein bisschen zu spät gemerkt, dass hier 20 km östlich von uns beim VfL Münster ebenfalls ein starker Lokalrivale heranwächst, der für eine gewisse Zeit für Jugendliche aus Hessen ein besseres Angebot gemacht hat als wir. Ich glaube, das ist jetzt für uns die ganz große Herausforderung und auch die Aufgabe, zu sagen, wir als DSW können das bessere Angebot für Jugendliche machen als die Kollegen aus Münster und die besten Hessen können auch wieder zum DSW kommen.
Nach diesem Rundumschlag, wie würdest du auf den Punkt sagen, was macht ein gutes Team aus?
Du brauchst auf jeden Fall immer einen Teamleader, der irgendwie vorneweg geht. Sei es beim Line-Up, derjenige, der sagt, wir stellen uns in die und die Box, weil ich sehe, wie das Wasser fließt, oder wir stellen uns neben das andere Team mit den guten Schwimmern. Und dann braucht es vor allen Dingen Harmonie im Team. Wir brauchen keinen Zickenkrieg im Team, sondern wir brauchen Leute, die im Team funktionieren, die sich im besten Fall auch privat verstehen und die kein Problem damit haben, auch mal ein Jugendherbergszimmer über ein Wochenende zu teilen und die im besten Fall auch abends nochmal zusammen feiern gehen. Ich glaube, das ist die beste Beschreibung, was ein Team im Rahmen des DSW Darmstadt ausmacht.
Sehr schön. Und was wünschst du dir für die Zukunft des DSW12 Darmstadt?
Aus sportlicher Sicht würde ich mir vor allen Dingen wünschen, dass alles so bleibt, wie es aktuell ist. Wir haben dieses Jahr drei deutsche Meistertitel gewonnen, eigentlich vier deutsche Meistertitel, wenn man den U23-Titel von Henry noch dazu rechnet. Also ich glaube, viel mehr ist für uns nicht möglich, und gerade das Staffelrennen ist für den Verein eigentlich immer das wichtigste des Jahres, was mediale Aufmerksamkeit angeht – ich meine, 70 Minuten öffentlich-rechtliches Fernsehen, wo eigentlich nur über den Vereinskontext gesprochen wird. Wenn wir da weiterhin vorne dabei sind, dann bleiben aus sportlicher Sicht nicht viele Wünsche offen. Was ich mir tatsächlich wünschen würde, ist, dass wir an der Sponsorenfront besser aufstellen und damit auch die Frage, hey, können wir uns die Bundesliga leisten, irgendwann in den Hintergrund tritt und ich mich damit nicht jedes Jahr wieder rumschlagen muss.
Sehr gut. Gibt es etwas, das wir deiner Meinung nach vergessen haben oder noch ansprechen sollten?
Ich glaube, ein Punkt, den ich noch ansprechen will, ist, wie unfassbar dankbar ich bin, dass ich bei einigen Athleten diesen Weg vom Nachwuchssportler in Richtung Weltklasse so eng und dicht begleiten durfte. Also angefangen mit einem Tim Hellwig, den ich als 11-12-jährigen in meinem Heimatverein in Mußbach kennenlernen durfte und bei dem ich damals schon gedacht habe, boah, der Junge hat Biss und dann irgendwie gesehen habe, hey, der ist Olympiasieger geworden im letzten Jahr. Bei Mika Noodt war ich mega nah dran, als er aus dem Nichts auf einmal zum 70.3-Sieger und Weltklasseathleten geworden ist. Auch bei Henry, den ich als 16-jährigen im Trainingslager in Oberammergau kennenlernen durfte und jetzt sehe, wie er in der WTCS-Serie unter den besten Fünf mitmischt. Und last but not least bei Fabi Kraft, den ich, ich glaube 2017, höchstpersönlich zum DSW geholt habe und bei dem man jetzt auch sieht, hey, der Junge kommt Richtung Weltspitze, der wird sein Geld mit dem Triathlonsport verdienen können. Das so mitverfolgen zu dürfen, wie die Entwicklung bei diesen Athleten läuft, macht mich unfassbar stolz und macht mir super viel Spaß.
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